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Abschlussbericht:

Arbeitsgruppe "Fundamente: Basis europäischer
Visionen"
"Und wer bist du?" - Die Teilnehmer stellen sich vor
Schwierig, schwierig, diese Kennenlernrunden. Was ist das wohl für
ein Typ? Lässt die Kleidung auf den Charakter schließen?
Sind die Berliner alle gleich? Und vor allem: Wer bin ich? Vor diese
Fragen gestellt, tasteten sich die Teilnehmer (natürlich nur bildlich
gesprochen!) vorsichtig aneinander heran. So lief die Vorstellungsrunde
doch recht langsam an und es war zu diesem Zeitpunkt schwer vorstellbar,
dass es einst lebhafte Diskussionen in der Gruppe geben würde.
Spannung und Vielfalt versprach zumindest die Zusammensetzung der Gruppe,
von Dagmar aus Slowenien bis Xose aus Spanien, von Jens aus Göttingen
bis Michaele aus Brandenburg.
"I have a dream" - Visionen für Europa
Hatten sich die Teilnehmer bisher noch zurückgehalten, mussten
sie sich nun zwangsläufig näher kommen. Zunächst wurden
Karten von Europa gezeichnet - und zwar in Vierer-Gruppen. Jeder bekam
ein Blatt, anschließend wurden die vier Blätter zu einem
Europa-Bild zusammengesetzt. So entstanden fünf zum Teil doch recht
abenteuerliche Gebilde. Trotzdem: mit Amerika oder Australien konnten
die Ergebnisse denn doch nicht verwechselt werden. Wir alle gemeinsam
sind Europa - so die Quintessenz. Am gemeinsamen Haus Europa wurde dann
auch im wörtlichen Sinne gebaut. Es ging um die grundlegenden Werte,
Gemeinsamkeiten und Grundrechte, auf die sich das Haus stützen
sollte. In einer Art Brainstorming überlegte sich jeder einen derartigen
Baustein, der als Grundstein für das Haus Europa dienen könne.
Demokratie, Kultur, Identität, Religion ... das Haus Europa wurde
auf ein breites Fundament gestellt.
"Wer macht was und wieso?" - Themenfindung und Kleingruppen
Dann ging's ans Eingemachte. Schnell wurde klar, wer die nächsten
zwei Tage viel reden würde und wer nicht. Fünf Leute waren
es zumindest, die sich ständig gegenseitig den Ball zuwarfen. Was
folgte war ein zähes Ringen um die Themenfindung. Was ist Europa?
Als abstrakt und langwierig empfanden die meisten die Diskussion um
die Themen. Und das war sie auch. Aber ebenso wichtig. Schließlich
sollte in dieser Phase die Struktur des zukünftigen Papers vorweggenommen
werden. Es kam nie wirklich zum Konsens - die Zeit drängte, weshalb
man sich später im Schnellschussverfahren auf vier Themen einigte:
"Werte", "Warum Europa?", "Größe",
"Demokratie".
Auch die Kleingruppenarbeit begann zäh. Im Unterschied zur großen
Gruppe kamen hier jedoch alle zu Wort. So wurde die Diskussion sehr
interessant, jeder Teilnehmer konnte sein Vorwissen und seine eigene
Perspektive einbringen. Wer aus Tschechien kam, argumentierte aus Beitrittskandidaten-Perspektive,
wer Jurist war, formulierte hieb- und stichfeste Grundrechtsartikel.
"Nur keine Hemmungen, fragen sie nur!" - Expertengespräche

Sylvia-Yvonne Kaufmann, Mitglied des Europäischen
Konvents, im Gespräch mit Teilnehmern.
Als Auflockerung und Hilfe empfanden die meisten Teilnehmer die Gespräche
mit den beiden Experten Sylvia-Yvonne Kaufmann (PDS, Mitglied des Europaparlaments)
und Sascha Meinert (CAP) am Montagabend.Kaufmann beeindruckte mit ihrem
Insider-Wissen aus dem Konvent. Meinert
ging auf die bohrenden Fragen der Teilnehmer zur zukünftigen Gestalt
Europas ein. Wie noch öfter in der Gruppe, wurde die Türkei-Frage
wiederholt besprochen. Darf die Türkei Mitglied werden? Was ist
mit Russland? Und die Ukraine? Kasachstan? Wieso nicht gleich auch Kanada?
Die mangelnde Präsenz der EU in der deutschen Öffentlichkeit
wurde angesprochen, Lösungsansätze diskutiert. Nach Aussage
Meinerts werde Europa in Zukunft "irgendwas sein, was anders ist".
Kaufmann malte gar ihre Vorstellung eines zukünftigen Europas auf
ein Blatt Papier. Ein Bundesstaat? Nein, das hielten die beiden denn
doch für unwahrscheinlich. Den europäischen Geist bekamen
die Teilnehmer in diesen Stunden richtig zu fassen.
"Das war's Leute, wir haben's geschafft" - Die Zielgerade
Mit neuem Elan wurde in den Dienstag gestartet. Als hätten die
Expertengespräche die "Fundamentalisten" neu inspiriert,
kamen sie sehr schnell zu brauchbaren Ergebnissen, die in verschiedenen
Phasen zu Papier gebracht wurden. Ab 10:25 Uhr wurde präsentiert
und diskutiert. Dabei ging es vor allem um die Reihenfolge, um inhaltliche
Doppelungen und Querbezüge. Und darum, ob die Champions League
nun die europäische Fußballliga ist oder nicht. Die Bewahrung
der Umwelt eine Pflicht der EU? Die meisten meinten ja. So hangelte
man sich von Punkt zu Punkt. Im Großen und Ganzen bestand doch
weitgehende Einigkeit.
Zwischendurch fanden Sprecherwahlen statt. Eine Frauenquote traf auf
Ablehnung, trotzdem wurde Sofie als einzige weibliche Kandidatin gewählt.
Auch Henrik, der bis dahin Vorsitzender war, wählte man mit klarer
Mehrheit zum Gruppensprecher.
Zuletzt ging es nur noch um kleinere Details. Um 14:53 war es dann
vollbracht. Das Paper abgespeichert, ausgedruckt und unter tosendem
Applaus der Gruppe gezeigt.
Dennis Reineck
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