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Erkundungen
im europäischen Haus |
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| 2003 - 2004 | |||
| Sonntag |
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Übersicht -- AG 1 -- AG 2 -- AG 3 -- AG 4 -- AG 5 AbschlussberichtArbeitsgruppe "Umgebung: Europa im globalen Dorf "
Unsere Probleme verstehen wir am besten durch die Positionen anderer über uns. Unter diesem Motto ist die Gruppe Umgebung mit der Diskussion einiger Zitate verschiedener Amerikaner über die EU in das Thema eingestiegen. Beschäftigt sich Europa nur mit Detailfragen, aus Angst die großen Themen anzugehen? Wie steht es mit der seit 10 Jahren geplanten gemeinsamen Außenpolitik? Wollen wir eine gemeinsame Armee oder sollte Europa vielmehr durch gemeinsames diplomatisches Handeln definiert werden? Noch schienen sich alle, neben ein paar kleinen Meinungsverschiedenheiten,
relativ einig zu sein. So verlief dann auch die Diskussion sehr harmonisch
und erwartungsfreudig. Munter wurde einmal die Welt umrissen. Von Demokratisierung
über Europa der Menschen bis zum Irak Krieg hat man alles angesprochen.
Mit einem Assoziationsspiel wurden zu den Themen Entwicklung, Handel, Umwelt, Verteidigung und Äußeres die Vor- und Nachteile einer gemeinsamen europäischen Politik in diesen Bereichen erarbeitet. Positiv für alle Bereiche sahen viele Teilnehmer die Bündelung von Wissen, die besseren Finanzierungsmöglichkeiten, den größeren Einfluss und die Stärkung der EU-Organe. Was die einen aber für Vorteile hielten, erklärten andere zu Nachteilen. Aus größerem Einfluss wurde Dominanz, aus besseren Finanzmöglichkeiten wurden schlechtere und aus Bündelung von Wissen wurde die Gefahr der Überstimmung einzelner Staaten. Diskussionsstoff war also genug vorhanden. Jetzt ging es darum Prioritäten für die anstehende Diskussion
zu setzen. Das Rennen machte dann ziemlich eindeutig die Außenpolitik,
gefolgt von der Verteidigungs- und Handelspolitik; Dazu hat die Gruppe zwei Vorsitzende gewählt, die die Fragerunde leiten sollten. Beide bewerteten ihr Amt unterschiedlich. Felix sah darin "einen Auftrag" während Ulrike sich eher als "die Frauenquote" definierte.
Die eingeladenen Experten befassen sich allesamt mit den außenpolitischen Reformen, die im EU-Konvent besprochen werden. Es kamen die Bundestagsabgeordnete Ulrika Höfken (Grüne), der Mitarbeiter des Auswärtigen Amts, Jens Jokisch und - mit einer halbstündigen Verspätung - der Europaabgeordnete Armin Laschert (CDU). Ohne große Konflikte verlief die erste Runde der Expertenbefragung.
Die Teilnehmer erfragten vor allem technische Details von Jokisch, der
als Diplomat des Auswärtigen Amts die Konventssitzungen begleitet.
Der Irak-Krieg bestimmte Teile der Diskussion. Manche Teilnehmer äußerten Besorgnis, die EU könne eines Tages über den Truppeneinsatz von Nationalstaaten bestimmen. Eine Vetorecht wie im Falle des Irak-Kriegs sollte nach dieser Auffassung weiter möglich sein. Laschert beruhigte: Truppeneinsatz werde auf absehbare Zeit eine ausschließliche Entscheidung der Mitgliedstaaten bleiben. Der Irak-Krieg habe den Konvent nicht resignieren lassen, sagte Jokisch vom Auswärtigen Amt. Im Gegenteil habe die Unfähigkeit mit einer Stimme zu sprechen, die Teilnehmer des Konvents beflügelt, noch intensiver an Reformen zu arbeiten. "Der Elan zu Reformen im Konvent ist ungebrochen", sagte Jokisch. Die Teilnehmer hatten wenige Fragen gestellt, die sich mit den EU-Institutionen befassten. Stattdessen dominierten sicherheits- und verteidigungspolitische Fragen die Diskussion. "Das Vetorecht muss bleiben" Vom vorigen Tag noch recht zuversichtlich ging die Gruppe mit Elan in die nächste Runde und versuchte grob zu umreißen was eine EU-Außenpolitik denn eigentlich sein soll. Beim Brainstorming hatten sich dann auch schon spätere Konfliktlinien abgezeichnet. Auf jeden Fall mal keine gemeinsame Politik um jeden Preis, aber doch der Versuch so gut wie möglich zusammen zu arbeiten. Eine gemeinsame Position sei wünschenswert, aber die Möglichkeit sich rauszuhalten sollte auch gewahrt bleiben. Der eigentliche Streitpunkt blieb das Vetorecht. Hier zeichneten sich bereits die Wortführer des Tages ab, die mehr als engagiert für ihren Standpunkt eintraten. Nachdem man auch nach einer guten Stunde zu keinem wirklichen Ergebnis kam, versuchte sich die Gruppe mit der Frage "Wie stellen wir uns Europa in 50 Jahren vor?" zu behelfen. Immer wieder war man sich nicht einig ob es darum geht wünschenswerte oder realistische Forderungen zu stellen. Erster Konsens sollte der EU-Außenminister sein, der anstelle
der einzelnen nationalen Außenminister die EU mit einer Stimme
nach außen hin vertritt. Aber wie kommt man denn zu dieser einheitlichen
Position? Und wieder lag das Veto auf dem Tisch. Im Kriegsfall, ein
Wort an dem sich die Diskussion dann auch ein wenig festbiss, müsste
jedem das Recht vorbehalten bleiben, dagegen zu stimmen. Denn im weiteren drehte sich alles darum, was das eigentlich ist. "Jetzt geht`s ans Eingemachte" Einige Teilnehmer zweifelten daran, dass eine gemeinsame EU-Außenpolitik wirklich die nationalen Interessen einbindet. Manche meinten sogar einen Gegensatz der EU- und der nationalen Interessen erkennen zu können. Trotzdem, nachdem um 12.15 immer noch dasselbe Thema die Diskussion beherrschte wollte man allen europäischen Geist zusammennehmen und es auf eine weitere Abstimmung ankommen lassen. Der "Club Europa" schien jetzt doch attraktiver als vor noch 2 Stunden. Und siehe da, plötzlich konnte man sich auf eine bindende qualifizierende Mehrheit einigen. Wir haben also doch nicht ganz unseren Idealismus verloren. Die Mittagspause war dann auch wirklich nötig. Erschöpft und ein bisschen frustriert, dass man über die Außenpolitikfrage nicht hinaus gekommen ist, wurde jeder zum Essen entlassen. Vielleicht waren es die Nudeln, vielleicht die weiterlaufenden Diskussionen; nach der Pause ging es plötzlich wirklich ans Eingemachte. Neben dem Abstimmungsmodus, konnte man sich dann auch auf einen gemeinsamen europäischen diplomatischen Dienst, anstelle der nationalen Botschaften einigen. Europa soll zwar eine Friedensmacht sein, aber nicht versuchen ihre Werte anderen aufzuzwängen. Kleingruppen formulierten dann im Schnellverfahren das Schlusspapier. So konnte man um 15.15 Uhr doch noch stolz ein Ergebnis präsentieren.
Der erste Tag war wirklich vielversprechend. Eine Vielzahl an Ideen, Meinungen und Vorschlägen wurde in der Runde diskutiert und der Rahmen für die weitere Arbeit abgesteckt. Die Erwartungen an die wirkliche Diskussion waren also hoch. Leider konnten diese wohl nicht ganz erfüllt werden. Vielleicht war es der Irak-Krieg, der die Debatte überschattete. Der Kriegsfall lag jedenfalls immer wieder auf dem Tisch und brachte die Diskussion ins Stocken. Die Angst an einem Krieg teilnehmen zu müssen, den man selbst nicht unterstützt, überschattete die Frage um den Abstimmungsmodus für eine gemeinsame Außenpolitik. Hier ging mit der Zeit ein wenig unter, dass Außenpolitik weit mehr als die Frage um Krieg oder Frieden ist. All die spannenden Ansätze des ersten Tages schienen wie vergessen. Paradoxerweise hat der engagierte Friedenswillen einiger Teilnehmer den engagierten Europawillen anderer Diskutanten gebremst. Aber nach ein paar Warteschleifen hat der gemeinsame europäische
Geist gesiegt und die Arbeit der Gruppe in einem Papier abgerundet,
auf das die Teilnehmer stolz sein können. Christina Heldwein |
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Letzte Aktualisierung:
24.05.2005
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