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Europa bereitet sich mit großer Geschwindigkeit auf die
Erweiterung vor. Erst seit kurzem bezahlen viele Bewohner des
europäischen Hauses mit dem Euro, da steht schon der Anbau
von 10 neuen Zimmern sehr unterschiedlicher Größe an.
Alle hoffen, dass sich die Fundamente des Gebäudes als stark
genug erweisen, dies zu bewältigen. Vor allem soll die gemeinsame
Wohnung für möglichst viele lebenswert und gerne auch
gemütlich werden. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiteten
im Verlauf der letzten beiden Jahre Engagierte aus allen Teilen
Europas an einer Verfassung für den sich vereinigenden Kontinent.
Es erweist sich als schwierig, all die zahlreichen politischen,
sozialen, kulturellen und historischen Vorstellungen in Einklang
zu bringen.
Motiviert von der Aufgabe, etwas zur Diskussion um die neue europäische
Verfassung beizutragen, versammelten sich im April 2003 gut einhundert
Jugendliche in Berlin zum Europakonvent jünger Bürgerinnen
und Bürger. Absicht war weder eine simulatives "Nachspielen"
des Europäischen Konvents in Brüssel, noch eine für
einen bestimmten Bevölkerungsteil endgültig sprechende
Verdiktmaschine.
Unser Europakonvent war eine bewusst bunte und nicht forciert
repräsentative Versammlung junger Europäer. Als Lingua
Franca bedienten wir uns der deutschen Sprache und nicht wie bei
derartigen Veranstaltungen meist üblich der englischen. So
war es den deutschen Muttersprachlern möglich, ohne sprachliche
Hürden ihre Meinung zu formulieren. Die übrigen standen
vor der Herausforderung, sich in einer alternativen Weise mit
europäischen Realitäten und Perspektiven auseinanderzusetzen.
Von unserem Europakonvent nahmen alle Teilnehmenden wichtige
Erfahrungen mit nach Hause. Als europäische Bürger haben
wir gelernt, dass es wichtig ist, Verantwortung zu übernehmen.
Die Diskussionen in den Arbeitsgruppen und erst recht im Plenum
machten überdeutlich, dass das Finden und Erarbeiten einer
gemeinsamen Basis für unser Zusammenleben keine Aufgabe für
wenige Helden ist, sondern schrittweise und geduldige Arbeit von
vielen erfordert.
Das Gefühl, an dieser Arbeit mitgewirkt und in einer großen
Gruppe aus völlig verschiedenen Vorstellungen ein gemeinsames
Ergebnis entwickelt zu haben, war trotz aller zwischenzeitlichen
Seufzer am Ende doch etwas ganz besonderes. Klar wurde dabei auch,
dass vermeintliche Trennlinien, wie diejenige zwischen dem "alten"
versus dem "neuen" Europa, keine Rolle spielten. Bei
unserem Europakonvent zählte nur das junge Europa, dessen
hier mehr oder weniger zufällig versammelte Vertreter sich
trotz großer Unterschiede rasch voneinander begeistern konnten.
Und auch wenn unsere Arbeit vielleicht in der realpolitischen
Arena eher oberflächlig wahrgenommen werden dürfte,
so hat Sie doch viel bewegt, nämlich uns.
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